Modellballonfahren – Der etwas andere Sport

Modellballonfahren – Der etwas andere Sport

9. November 2020 Aus Von MFSD

Schon von Kindesbeinen an hatte Björn Eickmeyer regelmäßigen Kontakt mit dem Ballonsport. Inzwischen hat er seine eigene „Nische“ gefunden, einen eigenen Modellballon gebaut und genießt den Sport in freier Natur. Wir sprachen mit dem 48-Jährigen MFSD-Mitglied aus Münster über seinen sportlichen Werdegang, wie lange es braucht, um einen Modellballon zu bauen und weshalb Modellballonfahren keine bloße Spielerei ist.

Absolute Präzision: Björn Eickmeyer bei der Wartung eines Brenners

WIE UND WANN BIST DU IN DIE MODELLBALLON-SZENE EINGESTIEGEN? 

Ich hatte sozusagen statt Räppelchen und Milchflasche einen Sandsack und eine Flasche Propangas in der Wiege liegen (lacht). Schon mein Opa ist Ballon gefahren und mein Vater geht dem Sport immer noch begeistert nach. Ich hatte also von Kindesbeinen an jede Menge Kontakt zu den „großen“ Ballonen. Irgendwann wurden dann die ersten Ballone aus Seidenpapier gebaut und steigen gelassen. Den ersten Modellballon habe ich gemeinsam mit damaligen anderen Vereinsmitgliedern gebaut, da war ich 16 Jahre alt. 

…UND WANN KAMST DU ZU DEINEM ERSTEN EIGENEN MODELLBALLON?

Meinen ersten eigenen Modellballon habe ich wenig später durch Zufall über einen Bekannten bekommen können. Der hatte Kontakt zu einer großen deutschen Brauerei, die damals der Sponsor der Ballon-Nationalmannschaft war. Die Brauerei hatte den Modellballon damals für eine Sportpräsentation anfertigen lassen, die in der Sauerlandhalle stattfand. Meinen ersten kompletten Eigenbau habe ich dann 1994 realisiert.

DU BAUST ALSO SELBER MODELLBALLONS? WIE LANGE DAUERT SOWAS?

Wie bei den großen: Ballonglühen in der Dämmerung

Das kommt auf viele Faktoren an: wie erfahren Du bist und ob Du wirklich alles vom Korb über den Brenner bis hin zur Hülle selber machst. Heute kann man alle Komponenten kaufen und vor allem im Hinblick auf den Brenner würde ich dazu raten. Das gab es Mitte der Neunziger aber alles noch nicht so in dem Maße. Ich habe sogar den Korb selber geflochten und mir jeden Schritt selber beigebracht. Das war manchmal fast schon zum Verzweifeln, aber letztlich haben sich die eineinhalb Jahre Bauzeit mehr als gelohnt. Den Ballon lasse ich heute noch regelmäßig steigen.

WAS MACHT FÜR DICH DAS MODELLBALLON-FAHREN AUS?

Die Sportart findet in völligem Einklang mit der Natur statt. Wenn ich Lust habe, das Ding zu fahren, dann packe ich den Ballon vor Sonnenaufgang in den Fahrradanhänger und fahre ins Grüne, auf eine Wiese oder so. Theoretisch braucht es dafür kein Vereinsgelände oder Modellflugplatz. Allerdings sollte man einen Aufstieg mit dem Eigentümer des Grundstücks im Voraus absprechen und erklären, was man auf ihrem Grund und Boden gerne machen würde, damit es keinen Ärger mit den Landwirten gibt. Auch sollte man darauf achten, nicht unnötig quer über bewirtschaftete Felder zu laufen und in den Treckerspuren bleiben. Besonders fasziniert mich auch die Ruhe, in der die Sportart von statten geht.

ÄH MOMENT, VOR SONNENAUFGANG??

Ja, klar. Ballonfahren ist eine sehr wetterabhängige Sportart und gerade im Sommer nichts für Langschläfer. (lacht) Die günstigsten Startbedingungen herrschen immer zum Sonnenaufgang oder vor Sonnenuntergang. Mit der Sonne kommt die Thermik und die ist unserem Hobby eher hinderlich. Viel Wind können wir einfach nicht gebrauchen. (lacht wieder)

WÜRDEST DU MODELLBALLONFAHREN ALS NISCHENSPORTART ANSEHEN?

Auf jeden Fall. Dabei ist das eigentlich schon komisch, da unsere Modelle ja mit rund sieben bis neun Metern Höhe stets gut sichtbar sind und viele Menschen anlocken. Allerdings ist die Zahl derer, die dem Sport regelmäßig nachgehen doch überschaubar. Ich kenne in meiner Region eine Hand voll Menschen, die außerhalb von Veranstaltungen oder anderen Veranstaltungen ihre Modelle regelmäßig fahren. Einfach so, am Wochenende auf der Wiese, nur zum Spaß eben.

WAS WÜRDEST DU JEDEM, DER MIT DEM HOBBY BEGINNEN WILL, MIT AUF DEN WEG GEBEN?

Modellballonfahren ist keine Spielerei, sondern ein ernstzunehmendes Hobby mit viel Verantwortung, denn da wird mit Propangas und offener Flamme gearbeitet. Und auch kein ganz günstiges Hobby. Klar kann ich bei einem kompletten Selbstbau Geld sparen, aber das ist natürlich auch nicht für jeden ratsam oder umsetzbar. Und natürlich darf ich beim Material auch nicht so sehr sparen, um die eigene Sicherheit zu gewährleisten und die anderer nicht zu gefährden. Vielleicht sollten Interessierte auch erstmal bei einem der Heissluftballontreffen in Deutschland oder einem reinen Modellballonmeeting vorbeischauen, die im Birgachtal, Heldburg und Althütte stattfinden. Oder sie schauen auf meiner Webseite www.modellballooning-ms.devorbei.

WAS WÜRDEST DU DIR ZUKÜNFTIG FÜR DIE SPORTART WÜNSCHEN?

Dass sich das Wetter auch mal so zeigt, wie man es von früher gewohnt ist. Ich habe hier sechs Hüllen liegen, die wollen bewegt werden. Und dass die Kontaktbeschränkungen bald wieder gelockert werden können. Momentan sind Kontakte ja auf zwei Haushalte beschränkt, da kannst Du natürlich nicht oder nur sehr begrenzt mit Freunden Ballonfahren. Außerdem wünsche ich mir, dass der Luftraum frei für uns alle bleibt und jeder mit dem anderen respektvoll umgeht, egal welche Sportart er ausübt. Das ist nämlich auch nicht immer selbstverständlich.

Fotos: Björn Eickmeyer

Text: Christian Mannsbart – DAeC